Resusci
Anne





Ausstellungsansicht Villa Vauban, LUX






2019

Video, 6 Minuten 49 Sekunden
Broschüre, 8 Seiten



Resusci Anne ist eine Videoarbeit, die auf zwei Frauenfiguren aus verschiedenen Zeitepochen und Kulturen basiert, die bereits in der Realwelt, auf unterschiedliche Weise zu Mythen geworden sind.


Resusci Anne ist der offizielle Name einer standardisierten Trainingspuppe, die zum Erlernen und Trainieren der Herz-Lungen-Wiederbelebung im Rahmen der Ersten Hilfe eingesetzt wird. Die Puppe wurde in den 50er Jahren von Laerdal Medical entwickelt und wird seitdem in allen Schulungen rund um Wiederbelebung  weltweit verwendet. Vorlage für das Gesicht der Trainingspuppe ist die Totenmaske eines jungen Mädchens (auch bekannt als L’Inconnue de la Seine), das sich der Legende nach in der Seine ertrunken haben soll. Die Maske taucht durchgängig in der Kunstgeschichte, vorzüglich bei männlichen Künstlern, als Phantasma der perfekten Muse auf.

Eine russische Travelbloggerin, Instagraminfluencerin und angehende Ärztin wird Juli 2019 ermordet in ihrem Koffer vorgefunden. Ihre Geschichte ist für kurze Zeit weltweit ein virales Thema, was zu einem Followerzuwachs von über 40.000 Menschen auf dem Instagramaccount der Verstorbenen führt.

Was passiert bei der fragmentarischen Gleichschaltung und Überblendung dieser beiden Geschichten?

Die Collage von Bild und Sprache gleitet durch zwei unterschiedliche Leben, Slides wie Newsfeeds in den Social Media. Eine scheinbare Ambiguität überzieht das Video: Immer wieder wird die Unzeitlichkeit durch eine penetrante Normativät von Frauenbildern und neoliberale Dispositive der Mobilität, Flexibilität und Kreativität gestreift.

Die Maske ist ein zentrales Bild. Sie fungiert als kulturelles Objekt, digitales Tool, als identifikatorischer Nullpunkt. Auf ihrem Weg durchläuft sie unzählige Metamoprhosen. Als virtuelles Bild, das sich stetig transformiert und transformiert wird, verbirgt sich hinter ihr keine Wahrheit.

Ein weiteres zentrales Thema ist das Reisen. Travelbloggen, als Beweis für ein stetiges sich Fortbewegenmüssen. Als Zeichen einer Sehnsucht sich der alltäglichen Passivität zu entziehen, sich zu optimieren, Erlebnisse zu akkumulieren und zu intensivieren.

Wer erfüllt in unserer Gesellschaft die Vorraussetzungen dafür, welcher Pass, welches Kapital, welcher globale Stellenwert ist von Bedeutung? Welche Körper zirkulieren auf welche Weise? Welche Fluchtlinien verstecken sich hinter unseren Abbildern, den Totenmasken, den digitalen Masken?

Resusci oder Rescue kann auch mit Befreiung übersetzt werden und ist somit nicht die Reanimierung eines Mythos, sondern eine Hinterfragung unserer patriarchalen und westlichen Narrative. Instagram als eine digitale Kunstgeschichte betrachtet, in der wir uns scheinbar nur selbst deuten und kanonisieren.











“Think about a real good archive. One that generates an infinite amount of content.”




“They invented this doll. A resuscitation of the past. Worlds most reliable rubber manikin.”





“Is this an amethyst?”

              


“A friend showed me this video on the internet. A young woman floating naked in the water. A tourist took it by the Niagara Falls. 29 seconds.”





“An endless history in a single thing. Escorted to climax by toymakers, pathologists, doctors, photographers, painters, writers, musicians. And a thousand men I won’t mention here.”





“Underneath the rubber mask lays another mask. Unmasking a kind of paranoia.”









video teaser





                                                                             


Mark




 





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